BVerwG-Präsident kritisiert Dobrindt wegen Umgang mit Berliner Zurückweisungsbeschlüssen

Die Beschlüsse des Verwaltungsgerichts Berlin von Anfang Juni, in denen es Zurückweisungen von Schutzsuchenden an der deutsch-polnischen Grenze in drei Verfahren für rechtswidrig hielt, hatten bekanntlich einen gewissen politischen Eskapismus des Bundesinnenministers zur Folge, der die Praxis der Zurückweisungen dennoch fortsetzen wollte (und fortsetzt). Diverse Medien (etwa hier oder hier) berichten nun über ein am 28. Juni 2025 veröffentlichtes Interview des Handelsblatts mit dem Präsidenten des Bundesverwaltungsgerichts (Paywall), in dem der Gerichtspräsident den Bundesinnenminister kritisiert und korrigiert. Das Verwaltungsgericht Berlin sei in Eilverfahren erst- und letztinstanzlich zuständig und sei gerade deswegen dazu verpflichtet gewesen, die Rechtslage „intensiv durchzuprüfen“, was es getan habe. Ein Minister müsse „das lesen und prüfen, ob er dann gleichwohl an seiner Auffassung“ festhalte.

Es ist durchaus ungewöhnlich, dass sich ein Gerichtspräsident öffentlich in eine Debatte um die Bedeutung verwaltungsgerichtlicher Eilentscheidungen einbringt, zumal wenn es sich gerade um den Präsidenten des Bundesverwaltungsgerichts handelt. Man dürfte den Umstand, dass es so ein Interview mit solchen Aussagen überhaupt gibt, durchaus als Signal in Richtung des Bundesinnenministers verstehen dürfen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  • Menschenrechtskommissar des Europarats warnt vor menschenrechtlichen Risiken geplanter „Return Hubs“

    Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Projekts UN-Sichtbar – Menschenrechtliche Entscheidungen im Asyl- und Migrationsrecht von Gianna Wollmann erarbeitet und von Katharina Stübinger redigiert. Bereits im Juni 2026 wurde hier über die Kritik unabhängiger Menschenrechtsexpert*innen an der geplanten EU-Rückführungsverordnung berichtet.[1] Nun hat sich auch der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O’Flaherty, zu den geplanten „Return Hubs“… Weiterlesen..

  • Keitel, Die neuen GEAS-Regeln

    Während die meisten Verlage es nicht geschafft haben, ihre GEAS-Erläuterungswerke pünktlich zum Start der Reform am 12. Juni in den Buchhandel zu bringen, ist das beim Nomos-Verlag und beim hier besprochenen Buch „Die neuen GEAS-Regeln“ von Christian Keitel anders: Das Buch war pünktlich zum 12. Juni lieferbar. Im Untertitel verspricht es, der (nicht nur: ein)… Weiterlesen..

  • EGMR rügt unzureichende Verfahrensgarantien bei Altersfeststellung

    In seinem Urteil vom 6. März 2025 (F.B. gegen Belgien, Az. 47836/21) hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt, dass ein belgisches Verfahren zur medizinischen Altersfeststellung einer unbegleiteten Minderjährigen nur als letztes Mittel hätte eingesetzt werden dürfen und daher unrechtmäßig war. Diese Zusammenfassung wurde im Rahmen des Projekts UN-Sichtbar – Menschenrechtliche Entscheidungen im Asyl- und… Weiterlesen..

ISSN 2943-2871